gaby  schlotz - Collection 2012
RSS Fan werden

Letzte Einträge

Esel Olly - der "Neue" in der Wilden Bande
Bär Alexej stellt sich vor!!
Frohe Festtage, die besten Wünsche für 2012
Fotos einer beeindruckenden Reise nach Japan
Japan – Erinnerungen an eine beeindruckende Reise

Kategorien

Esel Olly
erstellt von

Mein Blog

Japan – Erinnerungen an eine beeindruckende Reise

 
 
Vorgesehen war, ein Tagebuch zu schreiben. Tag für Tag meine Erlebnisse zu notieren, doch dazu blieb mir leider keine Zeit…!
 
 
Nun schreibe ich, auf dem Rückflug, irgendwo zwischen Irkutsk und Novosibirsk, meinen geplanten Reisebericht. Die Bilder und Erlebnisse der vergangenen Tage sehe ich noch lebendig in und vor mir:
Nachdem ich seit zwei Jahren eine japanische Besuchergruppe nach der Veranstaltung „Teddybär Total“ begleitet hatte, diese in unserem Haus an verschiedenen Workshops teilgenommen hatten, kam eine der Damen mit der Bitte auf mich zu, bei ihr Zuhause,
in ihrer Region je ein Seminar / einen Workshop für Einsteiger und für Fortgeschrittene anzubieten… 
Nach einigen Überlegungen und notwendigen Vorbesprechungen sagte ich entschlossen zu. Nun hieß es, alles perfekt zu organisieren. Die Vorbereitungen für die Reise und die Kurse mussten gut durchdacht und geplant werden. Nichts an Material und Werkzeug durfte fehlen! Flug, Hotel, Seminarraum und natürlich eine ordentliche Ankündigung in Landessprache, stellten eine heftige Herausforderung für mich dar.
Dankenswerter Weise wurde ich von meiner Gastgeberin bestmöglich dabei unterstützt. Nach vielen E-Mails und Telefonaten stand unser Programm soweit auf stabilem Grund. Ende Juni war es dann soweit. Sämtliches Material war auf dem Luftweg schon Vorort angelangt.
Kurz vor meinem Reiseantritt erhielt ich die Nachricht, dass in Hiroschima, meinem Ziel, 33° Celsius gemessen werden und in den kommenden Tagen wäre mit noch weiter steigenden Temperaturen zur rechnen. Leichte Kleidung - dachte ich - war hier wohl angesagt! Und dann ging’s los. Über Frankfurt und Seoul nach Hiroshima!
 
 
Herzlicher kann man sich einen Empfang kaum vorstellen. Meine Gastgeberin und unsere
Dolmetscherin warten mit hübsch geschmückten Tafeln im Ausgangsbereich des Flug-hafens schon ungeduldig auf mich. Keine förmlich, distanzierte Verbeugung, wie hier sonst üblich, sondern eine herzliche Umarmung und spürbare Freude werden mir ent-gegengebracht.
Nach einer einstündigen Fahrt - vom Flughafen Hiroshima nach Fukuyama -
erreichten wir das Haus meiner Gastgeberin Yukiko. Hier ist alles schon perfekt vorbereitet, ein leichtes und sehr köstliches Abendessen mit Reis, Fisch, Salat und frischem Obst. Bei einem Gläschen Sake (japanischer Reiswein), am Ende der Essenszeremonie - mit Stäbchen natürlich -  überreichte ich nach japanischer Tradition: Mit beiden Händen und tiefer Verbeugung - meine Gastgeschenke, welche dann -  nach unkomplizierter westlicher Tradition - sofort geöffnet werden…! Ich freue mich, anschei-nend das Richtige getroffen zu haben…
Meine Müdigkeit ist schwerlich zu übersehen und so bin ich sehr glücklich als Yukiko-san mich auf mein Zimmer bringt. „San“ ist in Japan die sehr höfliche Anrede einer geschätzten Person!
Danach sinke ich – todmüde von der über 20 stündigen Anreise – in mein Bett und schlafe sofort ein....
 
Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, fahren wir in Richtung Tomonoura, einer wunderschönen kleinen Stadt an der Küste, mit vielen sehenswerten, historischen Gebäuden. Hier ist auch mein Hotel, in dem ich in den nächsten Tagen wohnen werde. Nur etwa 300 m weiter befindet sich meine „mobile Werkstatt“ für die nächsten Tage, für die geplanten Workshops.
Am nächsten Morgen kann ich meine nähere Umgebung in Augenschein nehmen. Das Hotel, in dem ich untergebracht bin, befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert und ist traditionell im japanischen Stil sehr liebevoll eingerichtet. Die Zimmer liegen im ersten Stock – bevor man aber die Treppe betreten darf, müssen unbedingt die Schuhe gewechselt werden. Ein Regal mit einer wahrhaft bunten Auswahl von „Hausschuhen“ in allen Größen und Farben steht am Fuß der Trep-pe bereit. Der Schuhwechsel ist in Japan ein absolutes muss, will man nicht unangenehm auffallen oder gar seine Gastgeber verärgern!
Blickpunkt, in meinem etwas spartanisch anmutenden Zimmer, ist eine Sitzgruppe mit einem etwa kniehohen Tisch, flankiert von vier Sitzkissen… An der Rückseite des Raumes finde ich Schiebtüren, hinter denen sich eine Matratze und ein Kopfkissen “verbergen“…
Die Raumseiten und die Fenstern sind verkleidet von, mit Reispapier bespannten, Schiebelementen. Der Boden ist vollständig mit Reisstrohmatten ausgelegt. In einem Körbchen finde ich, exakt gefaltet, eine Kissenhülle, ein Spannbetttuch und ein Laken. Obenauf liegt ein bunter Baumwollkimono... Mein Badezimmer bietet allen Luxus eines europäischen 4-Sterne-Hotels. Bei früheren Aufenthalten in Japan, in Nagoya und in Tokio,  war der Schlafbereich immer im westlichen Stil gehalten. Nun darf ich eine neue Erfahrung machen. Trotz der fremden Umgebung schlafe ich hier sehr gut.
 
 
Die Temperaturen sind noch höher, als angekündigt, hinzu kommt noch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Der Aufenthalt außerhalb meines klimatisierten Hotels ist sehr gewöhnungsbedürftig und vor allem schweißtreibend…
Nachdem wir nun in meiner „mobilen Werkstatt“ alle notwendigen Vorbereitungen ge-troffen haben, bleibt noch etwas  Zeit, die wunderschöne Altstadt von Tomonoura zu besichtigen: Das Haus der Geisha - mit einem beeindruckenden Blick auf den Hafen und das Meer!
Ein paar Meter weiter: Eine historische Likörbrennerei aus dem Jahre 1864, die als Museum zu besichtigen ist und dann viele kleine Geschäfte und Galerien, mit einzig-artigem Kunsthandwerk. Ein Genuss für das Auge und die Sinne. Alles in Allem eine perfekte Umgebung für unser Vorhaben, eine kleine aber feine Teddyausstellung und
die geplanten Workshops.
 
 
Dann der erste Kurstag! Nach einem herzhaften japanisches Frühstück mit jeder Menge Fisch, - und das am frühen Morgen; nicht gerade meine Lieblingsspeise - soll’s losgehen…   
Auf dem Weg zu meinem Arbeitsraum werde ich von wunderschönen Schmetterlingen begleitet, die doppelt so groß sind, wie unsere heimischen Schmetterlinge. Ihre Flügel glänzen in einem herrlichen blau und gelb. Auf der ersten Stufe, der Treppe zu meinem Arbeitsraum, sitzt eine rote Krabbe, die sich hier her – so vermute ich – offensichtlich verirrt hat… oder ist das vielleicht schon mein Mittagessen? ...oder gar ein Glücks-bringer? Jedenfalls waren das am frühen Morgen schon sehr interessante Begegnungen!
Diese wahnsinnige Hitze macht mir heftig zu schaffen und noch mehr die hohe Luft-feuchtigkeit, ich spüre den Schweiß auf meiner Haut; vielleicht ist’s auch die Anspan-nung, die Erwartung vor dem was da auf mich zukommt?
 Mit einer Jeans, einem ärmellosen T-Shirt und Flip-Flops  bekleidet öffne ich die Tür zu meinem Arbeitsraum. Beim betreten des Raums, der nun im Vergleich zum Vortag schön angenehm kühl ist, wunderte ich mich sofort sehr über die beinahe förmliche Kleidung meiner Kursteilnehmerinnen. Die meisten tragen einen Rock oder ein Kleid, dazu oft langärmelige Oberteile oder eine dünne Strickjacke, die Beine steckten in Strumpfhosen und eleganten Schuhen. Das hatte ich nicht erwartet. In Deutschland würde man so elegant gekleidete Damen zu einer förmlichen Einladung zum Nachmittagskaffee erwarten… Aber zum Arbeiten? Wir wollen unter anderem Bären stopfen…!
Dass im japanischen Geschäftleben eine sehr strenge Kleidervorschrift herrscht ist mir bekannt, auf Messen und Ausstellungen selbstverständlich, aber zu einem Workshop? Meine Arbeitskleidung: Ein Fauxpas, wie ich sofort bemerke! Ab heute weiß ich, je konservativer umso besser!
Das Seminar wird in englischer Sprache gehalten, mir zur Seite steht unsere Dolmetscherin, Naomi,die all meine Instruktionen gewissenhaft ins Japanische übersetzt.
Hart gestopfte Teddys scheinen für meinen Einsteigerkurs völliges Neuland zu sein, bis jetzt wurde von den meisten meiner Teilnehmerinnen nur kuschelig weich gestopft. Da standen so mancher meiner Schülerinnen, nach ein paar Stunden anstrengender Arbeit, ebenso die Schweißtropfen auf der Stirn, wie mir!
Am Ende des ersten Kurstages kann ich meinen „bekleidungstechnisch“ etwas unglücklichen Einstieg zu Beginn problemlos ausgleichen. Das Vertrauen meiner
gelehrigen Schülerinnen ist gewonnen. Die Begeisterung über den selbst gefertigten Teddy ist unbeschreiblich!
Mit einem freudigen „ Arrigato Gosaimasu“ und heftigem Beifall, vielen, vielen Fotos
und auch kleinen Geschenken entlässt mich an diesem Abend meine Einsteigergruppe!
 
 
2. und 3. Kurstag „Masterclass“
 An diesem Kurs nehmen auch bereits international bekannte Künstler teil, die über die Grenzen ihres Landes hinaus, großes Ansehen genießen, wie Taeko Watanabe, Masae Hamagami, Yukiko Fujimoto und andere, nicht unbekannte Namen. Darunter die Gewinnerinnen des „Golden Georges“ und des amerikanischen Toby Award…
Eine große Herausforderung, aber auch wunderbare Erfahrungen, die mich hier erwarten. Vieles was ich bei meinen „Einsteigern“ am Vortag ausführlich erklären musste, wird hier völlig selbstverständlich und ohne großes Problem angenommen und umgesetzt. Es wird hier nicht nur hart an einem 8-gelenkigen Bären gearbeitet, es bleibt auch noch etwas Zeit für fachliche Gespräche über Präsentationen und Marketing… Und es entstehen viele neue Ideen!
Alles in Allem habe ich ein überwältigend kreatives Team angetroffen, mit dem die zwei Tage wie im Fluge vergehen. Am Ende des zweiten Kurstages haben sich auch einige meiner Teilnehmerinnen dazu entschieden, die neu organisierte Veranstaltung „Teddybär Total“ in Münster im kommenden Jahr zu besuchen…
Der im Kurs produzierte Mehrgelenk-Teddy steht nun in 11-facher Ausführung auf einem runden Drehtisch zum Fototermin bereit. Von allen Seiten wird fotografiert, Bär mit Teilnehmern, mit Dolmetscherin und Kursleiterin und in allen nur denkbaren Kombinationen.
Die zwei für den Kurse hergestellten Musterteddys gehen auf einer Auktion für 800 Euro an ihren neuen Besitzer über. Der Erlös dieser Auktion kommt  einem Waisenhaus in der Erdbebenregion Fukushima zugute. Weit mehr als 100 Kinder haben dort durch das schreckliche Erdbeben und den darauf folgenden Tsunami, im März dieses Jahres, ihre Eltern verloren.
Zu erwähnen ist noch: Als meine japanische Veranstalterin das Auktionsergebnis bekannt gibt und die Begünstigten nennt, sehe ich Tränen in ihren Augen, die sie peinlich berührt, wegzuwischen versucht. Es ist nicht nur die Veranstalterin, so mancher der Gäste ist ebenso tief berührt. Viele unserer Teilnehmer und Gäste kommen aus der Region um Tokio. Auch hier waren die Auswirkungen des Erdbebens noch deutlich spürbar! Es ist uns allen bekannt, dass die Menschen in Japan als sehr leidensfähig gelten, sollte deshalb aber jemand denken, Gefühle wären hier fremd…?
Als  eine kleine Überraschung für meine japanischen Freunde und Schüler kleidete mich die Kimonoexpertin Taeko (zwei Kimonogeschäfte werden schon in dritter Generation von ihr geführt), in einen traditionellen japanischen Seidenkimono für die Abschieds-Party am Abend ein. Ich werde komplett von ihr angezogen, alleine ist das in dieser aufwändigen Form für einen Kimono-Laien wie mich, wohl nicht zu bewältigen… 
Am Ende dieser halbstündig dauernden Prozedur nimmt Taeko ein langes, hübsches, rosa  Schleifenband aus ihrem Köfferchen und erklärt in einem etwas schwierig verständlichen Japan-Englisch: „Gaby sensei, if you go to restrant” …
Ich soll den Kimono in Hüfthöhe heben, die Rose Schleife dann um den nach oben ge-hobenen Kimono binden, danach meine zwei Unterkleider heben… Etwas  verwundert schaue ich meine Kimonoexpertin an? Das kann jetzt wohl nicht ernst gemeint sein?
Um sich zu setzen…? …kann ich mir auch nicht vorstellen!
 „In the restauuurant“???  frage ich sie, mit wohl sichtlichem Entsetzen in meinen Augen und gekräuselter Stirn? Meine Expertin fühlt wohl meine Verunsicherung!! Sie schaute mich etwas verwirrt an und meint dann korrigierend:“ in the toilette, sensei“!
Das Problem ist behoben, dient aber an diesem Abend noch der allgemeinen Belustigung! Es wird ein wunderbarer Abend mit vielen Köstlichkeiten des Landes. Ein gigantischer Trommelwirbel überrascht uns nach dem Dessert. Mit unglaublicher Eleganz und Kraft bearbeiteten vier Künstler,  zwei Männer und zwei Frauen gigantische Trommeln. Nach alter Tradition werden durch den Trommelwirbel die Dämonen, Teufel und Hexen der Dunkelheit vertrieben…
 
Nein, noch selten habe ich so viel Liebe, Freundlichkeit, Herzlichkeit und Bescheidenheit
angetroffen. Dem entsprechend  ist auch meine Verabschiedung am Flughafen in Hiroshima:
“Sayonara Gaby sensei, see you again by „Teddybär Total”, next year in Münster...!”
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Schreiben Sie hier Ihren Eintrag.

1 Kommentar zu Japan – Erinnerungen an eine beeindruckende Reise:

RSS-Kommentare
Catarina on Monday, July 18, 2011 5:57 PM
Ein wunderbarer Bericht mit vielen schönen Bildern! Man kann sehr gut nachvollziehen, dass diese Japanreise eine bleibende Erinnerung ist!
Auf Kommentar antworten

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
E-Mail-Adresse: (Erforderlich)
Homepage:
Kommentar:
Machen Sie Ihren Text größer, fett, italic und mehr mit HTML-Tags. Wir zeigen Ihnen wie.
Post Comment