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Eine kleine Weihnachtsgeschichte für Euch!

Gepostet am 13. Dezember 2018 um 6:30

Eben Zigeuner nur........


Über den gefrorenen Schnee knirschten die Räder eines Zigeunerwagens. Es war eine helle Nacht. Wie Inseln lagen die kleinen Dörfer und Gehöfte im weiten, flachen Land. Doch der Mann sah nichts von der Schönheit dieser Nacht. Verbittert schritt er neben dem Wagen her und trieb den Esel zur Eile an. Wer würde ihm und den Seinen wieder für eine Nacht Unterschlupf gewähren? Wer wollte sich jetzt von Zigeunern in seiner Ruhe stören lassen? Drinnen im Wagen saß die Frau zusammengekauert im Heu. In ihren Armen hielt sie das Kind. Sorgsam presste sie es an ihre Brust und wärmte es. Von der Decke herunter hingen die Spielsachen, die der Mann aus Holz geschnitzt und die Frau bemalt hatte, bunte Hampelmänner, dazwischen große und kleine Puppen. In einer Schachtel lagen die Tiere beieinander, Zebras, Enten, Elefanten und Löwen. An der Wand schaukelte ein weißes Pferd. Doch weder die lustigen Hampelmänner noch der friedliche Verein der Tiere stimmte die Frau fröhlicher. Seit es in jenem Dorf Puppen mit Schlafaugen und Tiere aus Plüsch und Plastik zu kaufen gab, wollten auch die Bauernkinder von den hölzernen Spielsachen nichts mehr wissen. Sie dachte daran, wie oft man sie von den Hausschwellen jagte und sie beschimpfte: “Zigeunerpack!“ Sie wusste, wie sorgfältig man hinter ihnen alle Türen schloss.

Durch die dünne Hauswand lauschte Thomas auf das Weinen seiner Mutter. Alles war anders geworden, seit die Holzer den Vater auf einer Bahre ins Haus gebracht hatten. Thomas erinnerte sich an die betretenen Gesichter. Er erinnerte sich an den Tag, als die vielen schwarz gekleideten Menschen ins Haus gekommen waren, als er hinter dem Wagen mit dem Sarg herlief und die Blumen verlor, die Tante Rosa ihm in die Hand gedrückt hatte. Aber viel schlimmer als diese Erinnerung war, seine Mutter jede Nacht weinen zu hören. „Armer Junge“, hatte eine Nachbarin gesagt, „aus dem Weihnachtsfest wird dieses Jahr nichts für dich!“

Warum sollte er keinen Christbaum haben und keine Geschenke? Die Tante im Kindergarten hatte von Maria und Joseph, den Engeln, den Hirten und den Königen erzählt. „Und“, hatten sie den Kindern erklärt, „seither kommt das Christkind jedes Jahr wieder, seit nun fast zweitausend Jahren!“ Heimlich schlich er aus dem Haus und lief auf den Wald zu. Er schaute zu den Sternen hinauf, damit er sich vor der Dunkelheit nicht fürchtete. Er vergaß die Kälte und lief und lief. Aber das Christkind war noch weit……….

Der Mann sah den kleinen, dunklen Körper am Wegrand liegen. Er holte die Lampe und sah, dass es ein Kind war, ein kleiner Junge, halb erfroren. Er rief seine Frau. Wenn sie den Jungen retten wollten, blieb nicht lange Zeit zum Staunen. Sie rieben ihn mit Schnee ein und bewegten seine Arme und Beine. Als sie hörten dass er gleichmäßig zu atmen begann, hüllte ihn die Frau in eine Decke und trug ihn in den Wagen. Zusammen mit ihrem eigenen Kind hielt sie ihn auf dem Schoß. Der Mann beeilte sich, um mit dem Findling bald ins Dorf zu gelangen.

Thomas aber schlug inzwischen die Augen auf und schaute gerade in das Gesicht der Frau, das sich freundlich über ihn neigte. Dann entdeckte er die Spielsachen, die lustigen Hampelmänner, die Puppen, die sich lautlos drehten, die Holztiere in der Schachtel und das Schaukelpferd, das sich von selbst bewegte. Das Christkind hatte ihn gefunden! Vor Glück wagte er kein Wort zu sagen, denn neben ihm in seinem Arm schlief das Jesuskind. Und er wusste auch nicht, ob Maria seine Sprache verstehen würde, da er nur der Försterbub war und nicht vom Himmel kam.

Diese beeindruckende Weihnachtsgeschichte stammt von Max Bollinger,

entnommen aus dem Eschenbacher Adventskalender


Allen Freunden und Besuchern unserer Weihnachtsausstellung

nochmal an dieser Stelle herzlichen Dank,

besonders unseren "von sehr weit" angereisten Gästen!


Ich wünsche Euch eine frohe und erfüllte Adventszeit,

ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben.

Herzliche Grüße

Gaby


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